Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Band 01, Kapitel 222


Pharisäer aus Bethlehem waschen Jesus die Füße. Jesu Gegengabe: Kurzfassung der wichtigsten Lehren.

01] Am Morgen kamen die fünf Pharisäer zu Mir, grüßten Mich und Meine Jünger nach ihrer Sitte auf das höflichste und bezeigten Mir noch eine besonders große Ehre dadurch, dass sie Mich fragten, ob Ich sie für würdig hielte, dass sie Mir die Füße wascheten.
02] Denn das war zu Bethlehem noch eine im Gebrauche stehende alte Ehrungssitte, dass entweder der Gastgeber seinen Gästen oder als Gegenehrenbezeigung ein Erster aus der Zahl der Gäste am nächsten Morgen dem Gastgeber die Füße wusch. Darum ließ ich Mir denn auch von den fünf Pharisäern aus Bethlehem die Füße waschen und abtrocknen.
03] Nach solcher Handlung erst fragten Mich die fünf Pharisäer, sagend: »Wahrlich, unbegreiflich großer Meister! Sage uns doch nur ein bißchen von der Art und Weise, wie diese (Fähigkeit) allenfalls beschaffen ist, mittels der du solche nie erhörte Heilungen bewirkst! dass du solches - im allgemeinen gesprochen - offenbar durch die Kraft Gottes wirkst, unterliegt wohl keinem Zweifel; aber wie und auf was für eine Art in solch unerhörter Vollendung, das ist eine andere Frage. Nur davon - so Du uns nur einigermaßen für würdig hältst - gib uns einige Winke, und wir wollen dann hochvergnügt und dir ewig dankbar bleibend von hier den Rückweg nach Bethlehem antreten.«
04] Sage Ich: »So Ich es euch auch sagen möchte, da würdet ihr es dennoch nicht glauben, denn die dreifache Decke Mosis (vgl. 2. Mose.34,33 -35) hängt auch über eure Augen herab, auf dass ihr ja nicht merken mögt, wer Der ist, der nun mit euch redet! Kenntet ihr Den, ihr würdet solche Frage nimmer stellen; aber weil ihr Ihn nicht kennt, so fragt ihr also, wie ihr fragt!
05] Und so Ich euch auch eine rechte Antwort gäbe, so würdet ihr sie dennoch nicht annehmen. Denn ihr seht wohl das, was in der Welt der Materie nach ist und geschieht; aber was da betrifft den Geist, dessen Reich und Wirken, das ist euch fremd, und ihr könnt darum auch nicht begreifen und fühlen, was da ist des Gottesreiches Sein und Wirken im Menschen.
06] Geht aber hin und tut Buße um eurer vielen Sünden willen, so werdet ihr gewahr werden, dass das Reich Gottes nahe zu euch gekommen ist. (vgl. Markus.01,15)
07] a Liebet Gott aus allen Kräften und b betet Ihn an im Geiste und in der Wahrheit; c liebet aber auch eure nächsten armen Brüder und Schwestern; d verfolgt eure Feinde nicht, e fluchet denen nicht wieder, die euch fluchen ( und f tut euren Übeltätern Gutes, so werdet ihr glühende Kohlen über ihren Häuptern sammeln, und Gott wird solche eure Werke ansehen und wird sie euch vergelten hundertfältig. (a 5. Mose.06,05; Matthäus.22,37, b , c Matthäus.05,442. Mose.23,04-05; = Lukas.06,27Römer.12,14Römer.12,20, d 3. Mose.19,18; Matthäus.05,43-44; Matthäus.22,39; Lukas.10,27; Johannes.13,34, e Matthäus.05,44; Lukas.06,27.28), f Sprüche.25,21 -22; Römer.12,20), g)
08] a Leihet euer Geld nicht denen, die es euch mit reichen Prozenten wieder erstatten können, sondern wahrhaft Armen und Dürftigen, so wird euer Geld im Himmel zu hohen Interessen angelegt sein, und der Vater im Himmel wird euch allzeit ausbezahlen Interessen und Kapital für ewig! (a Matthäus.05,42; = Lukas.06,30jl.ev04.062,01-05;  b Lukas.06,34;  ⇒ jl.ev04.098,01-07*;  ⇒ jl.ev01.046,08jl.ev01.058,02-08;  jl.ev01.222,08jl.ev07.092,01-093,11;  jl.ev07.094,16)
09] Nehmt auch nicht zu gierig von der Welt Lob, Dank und Preis eurer guten Taten wegen; denn so ihr solches tut der Welt wegen, was für ein Lohn soll euch dann werden im Himmel?! Ich sage euch; Wer auf der Welt einer guten, den armen Brüdern erwiesenen Tat wegen verlangt und nimmt irgendeinen wie immer gearteten Lohn, dessen Lohn im Himmel ist dahin!
10] Wer des Himmels wegen arbeitet, der wird vom Himmel aus belohnt werden zeitlich und dereinst ewig; wer aber der Welt wegen arbeitet, der wird wohl von der Welt einen schnöden und vergänglichen Lohn ernten; aber im Himmel wird er sein Verdienstbuch leer finden, und sein Lohn wird dahin sein, und seiner geistigen Armut wird schwer ein Ende werden!
11] So ihr das wohl beherziget und danach tut, da wird euch's auch bald klar werden, auf welche Art und Weise Ich eure Kranken geheilt habe. - Nun wisst ihr alles, was euch zu wissen not tut. Fragt nicht um Weiteres, das euch nichts nützen würde, so man euch's auch sagen möchte.
12] Habt aber auch acht, dass ihr Mich, Mein Wirken und diese Meine Jünger weder in Jerusalem und ebensowenig in der Stadt Davids bekanntmacht, denn solches würde euch keinen Segen bringen!
13] Nun aber, so ihr das Morgenmahl werdet eingenommen haben, könnt ihr ganz getrost wieder euren Heimweg antreten!«
14] Auf diese Meine Rede machen die fünf wohl etwas verdutzte Gesichter; aber sie getrauen sich dennoch nicht, eine weitere Frage zu stellen, verbeugen sich vor Mir und begeben sich dann in ihren Speisesaal und nach dem Morgenmahle auf den Weg in ihr Heimatland.


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