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Kapitelinhalt 47. Kapitel: Weiteres von den Flachländern. Handel und Gewerbe. Verbannung Unredlicher. Lebensweise, Ehe, Zeugung und Begräbnis.

Originaltext 1. Auflage 1855 durch Project True-blue Jakob Lorber

Text, Verseinteilung und Überschriften nach 4. Auflage 1969 Lorber-Verlag

01] In den Tiefen, besonders an den Seen und großen Flüssen, wird auch mit verschiedenen Sachen eine Art Tauschhandel getrieben, und zumeist mit solchen Sachen, womit sich die Weiber auf die euch schon bekannt gegebene Art gerne schmücken und zieren.

02] Manchesmal wird von einem oder dem andern Kaufmann sogar an eine Uebervortheilung gedacht; doch wehe ihm, wenn sein Betrug aufkommt. Fürs Erste wird er von den Weibern mit allerlei spitzigen Sachen kreuz und quer zerkratzt, und wenn er nach einer solchen Lection noch einmal auf einem Betruge ertappt wird, so wird alsobald ein Schiff ausgerüstet, und unser Betrüger mit seiner Familie in eine weit entlegene Gegend gebracht, allda er entweder eine bestimmt lange Zeit oder auch nach der Größe des zweiten Betruges für alle Zeiten der Zeiten zu verbleiben hat; welche Strafe alldort unter dem Namen: Purak oder ewige Verbannung bekannt ist. Wer da nur auf eine bestimmte Zeit verbannt ist, der darf bei seiner Abreise mehrere Schifffruchtkörner mit sich nehmen, damit er sich in seinem Verbannungslande aus den Samenkörnern, welche er alldort sobald aussäet, ein Schiff bereiten kann.

03] Den zur ewigen Verbannung Verurtheilten wird aber kein solcher Same mitzunehmen gestattet. Gewöhnlich aber geschieht es bei diesen ewig Verbannten, daß da von ihrem kläglichen Zustande gar bald die Gebirgsbewohner des einen oder des andern Landes durch die Geister Kunde erhalten, selbige begeben sich auf solche Kunde dann sobald auf den Ort solcher Verbannung, und nehmen die Verbannten auf, bringen sie dann auf die Höhen, und machen aus ihnen nicht selten die besten Menschen.

04] Und geben ihnen auch oft eine oder die andere Wohnung auf den Bergen eigenthümlich; und es geschieht dann zuweilen, daß eben diejenigen Menschen, welche diese zur ewigen Verbannung verdammt haben, auf die Höhe gelangen und finden da Schutz, gastfreundlichste Aufnahme und Belehrung in der wahren Religion. Wenn dann solche Aufgenommene ihre Gastfreunde erkennen, so setzt es da allzeit eine Verwunderung um die andere ab, wo die Begastfreundeten nicht begreifen können, wie es da möglich hatte sein können, daß diese, nun ihre Gastfreunde, aus ihrer ewigen Verbannung haben dahin gelangen können.

05] Bei dieser Gelegenheit wird den Verwunderten alsobald gar freundlich angezeigt, daß dem großen Geiste gar viele Dinge möglich sind, von denen sich bisher die Weisheit der Seebewohner noch gar entsetzlich wenig hat träumen lassen. Wenn die verwunderten Fragesteller solche Antwort bekommen, da schlagen sie sich gewöhnlich auf die Brust, und klagen dann gewaltig über so manchen Unsinn, der da gang und gebe ist in den Tiefen; worüber sie denn abermals belehrt werden und ernstlich ermahnt, daß sie bei ihrer Rückkehr in der Tiefe zur Ausrottung so mancher und vieler Thorheiten auf das kräftigste beitragen sollen.

06] Dadurch ist es auch schon in so manchen großen Continentländern geschehen, daß die Ebenen völlig gleichen denen Höhen; aber hier und da giebt es dessenungeachtet dennoch wieder Länder, in denen sich die Tiefen von den Höhen noch sehr gewaltig unterscheiden.

07] Was ferner in den Tiefen die Manufacturen und anderes Gewerbe betrifft, so gleicht dieses auch dem auf den Höhen, bis auf einige Luxusartikel, welche freilich auf den Höhen durchaus nicht stattfinden; - allda sogar die Färbung eines Fadens als sündhaft angesehen wird.

08] Die Nahrungsweise ist bis auf die Milch der großen Kuh fast auch dieselbe; nur einige Patriarchalfamilien, welche auf den Seen die schönen, großen weisen Felsen zu Lustwohnungen auf die euch schon bekannt gegebene Art zubereiten lassen, ergötzen sich oft auf diesen Lustörtern auch mit manchen etwas künstlicher bereiteten und somit den Gaumen etwas mehr kitzelnden Leckerspeisen, welche ihnen aber gewöhnlich nach und nach nicht gar zu gut anschlagen; darum dann so manche weise redenden Aerzte recht viel zu thun bekommen.


09] N.B. solches ist auch bei euch der Fall; würdet ihr ganz einfach und naturgemäß leben, und essen die Früchte der Erde also, wie Ich sie für euch zubereitet habe bis auf einige wenige, die da nur weicher gekocht werden könnten am Feuer, so wäre eure Sprache um vier Worte ärmer, nämlich sie wüßte von keinem Arzte etwas, noch weniger von einer Medicin oder Apotheke; und für diese drei Worte wüßte sie darum nicht, weil ihr eigentlich das erste Wort, Krankheit nämlich, fremd bliebe. So aber habt ihr künstliche Köche: diese sind privilegirte Fabrikanten der Krankheiten. Nach den Köchen kommen dann sogleich die Aerzte, dann die Apotheke, als die noch künstlichere Küche, und dann aus dieser erst ganz vollkommen diejenige Speise, durch welche die Krankheit in dem Körper eines Patienten zum bleibenden Gaste wird.

10] Also ist es auch demnach, freilich nicht in einem so starken Grade, wie bei euch, in den Tiefen unseres Saturnus der Fall; aus welchem Grunde dann auch die Menschen in den Tiefen bei weitem nicht so alt werden, als auf den Höhen.

11] Was das Begräbniß der Menschen in der Tiefe anbelangt, so ist es allda von zweifacher Art; bei dem bessern Theile also wie auf den Höhen bei denen manchesmal etwas heidnischen Völkern, welche da den lichten Ring für eine Art Gottheit halten, ist das Begräbniß wesentlich verschieden. Diese laden ihre Verstorbenen auf ihre Schiffe und fahren damit gewöhnlich auf's Meer, besonders wenn dieses nicht zu ferne ist von ihrem Wohnorte. Allda, nämlich auf dem Meere, werden die Verstorbenen ohne weitere Ceremonie in's Wasser geworfen; bei welcher Gelegenheit sich auch schon alsogleich irgend ein lebendiges Grab vorfindet, das nach diesen Leichen sehr begierig schnappt; ist solch Begräbniß geschehen, dann kehren unsere Todtengräber sobald wieder zurück, und die ganze Begräbnißfeierlichkeit hat bei der Ankunft in der Heimath ein Ende.

12] Was die Ehen betrifft, so werden diese auch in der Tiefe, nur manchmal mit viel mehr äußerem Prunke, vor dem Patriarchen geschlossen.

13] Die Zeugung ihres Gleichen ist mit der auf den Höhen gleich, nur geschieht es dann und wann, wenn der Mann in der Tiefe zu wenig Glauben und Willenskraft besitzt, daß er dann mit seinem Weibe gewöhnlich eine Reise in's Gebirge unternimmt, um daselbst glaubens- und willenskräftig zu werden. Wozu? brauche Ich nicht noch ferner zu sagen.

14] Das ist somit aber auch über Das, was ihr ohnehin schon wisset aus den gelegenheitlichen Mittheilungen, das zumeist Merk- und Denkwürdige aus dem Bereiche der Thal- und Ebenenbewohner des Saturnus. Somit wollen wir denn auch die eigentlich bewohnten Länder des Saturnus verlassen, uns dann auf ganz kurzen Wegen über dieses Planeten Schnee- und Eisregionen auf unsern Ring schwingen und somit lassen wir's für heute wieder gut sein.

01] In den Tiefen, besonders an den Seen und großen Flüssen, wird auch mit verschiedenen Sachen eine Art Tauschhandel getrieben, und zumeist mit solchen, womit sich die Weiber auf die euch schon bekanntgegebene Art gerne schmücken und zieren.

02] Manches Mal wird von einem oder dem andern Kaufmann sogar an eine Übervorteilung gedacht. Doch wehe ihm, wenn sein Betrug aufkommt! Da wird er von den Weibern mit allerlei spitzigen Sachen kreuz und quer zerkratzt. Und wenn er nach einer solchen Lektion noch einmal auf einem Betrug ertappt wird, so wird alsbald ein Schiff ausgerüstet und unser Betrüger mit seiner Familie in eine weit entlegene Gegend gebracht. Da hat er entweder eine bestimmt lange Zeit oder auch, nach der Größe des zweiten Betruges, für alle Zeiten zu verbleiben - welche Strafe dort unter dem Namen »Purak« oder »ewige Verbannung« bekannt ist. Wer nur auf eine bestimmte Zeit verbannt ist, der darf bei seiner Abreise mehrere »Schiffrucht-Körner« mit sich nehmen, damit er sich in seinem Verbannungsland aus den Samenkörnern, welche er dort alsbald aussät, ein Schiff bereiten kann.


03] Den zur ewigen Verbannung Verurteilten wird kein solcher Same mitzunehmen gestattet. Gewöhnlich geschieht es aber bei diesen Verbannten, daß von ihrem kläglichen Zustand die Gebirgsbewohner des einen oder andern Landes durch die Geister Kunde erhalten. Die Gebirgsbewohner begeben sich auf diese Kunde bald an den Ort solcher Verbannung, nehmen die Verbannten auf, bringen sie auf die Höhen und machen aus ihnen nicht selten die besten Menschen.

04] Sie geben ihnen auch oft eine oder die andere Wohnung auf den Bergen zum Eigentum. Und es geschieht dann zuweilen, daß eben diejenigen Tiefenbewohner, welche diese Menschen zur ewigen Verbannung verdammt haben, auf die Höhe gelangen und da Schutz, gastfreundlichste Aufnahme und Belehrung in der wahren Religion finden. Wenn dann solche Aufgenommen ihre Gastfreunde erkennen, setzt es allzeit eine Verwunderung um die andere ab, wobei die Aufgenommenen nicht begreifen können, wie diese ihre nunmehrigen Gastfreunde aus ihrer ewigen Verbannung haben dahin gelangen können.

05] Bei dieser Gelegenheit wird den Verwunderten gar freundlich gezeigt, daß dem Großen Geiste gar viele Dinge möglich sind, von denen sich bisher die Weisheit der Seebewohner noch gar entsetzlich wenig hat träumen lassen. Wenn die verwunderten Fragesteller solche Antwort bekommen, schlagen sie sich gewöhnlich an die Brust und klagen gewaltig über so manchen Unsinn, der in den Tiefen gang und gäbe ist. Darauf werden sie abermals und ernstlich ermahnt, daß sie bei ihrer Rückkehr in der Tiefe zur Ausrottung so mancher und vieler Torheiten auf das kräftigste beitragen sollen.

06] Es ist dadurch auch schon in so manchen großen Kontinentländern geschehen, daß die Ebenen völlig den Höhen gleichen. Aber hier und da gibt es dessenungeachtet dennoch wieder Länder, in denen sich die Tiefen von den Höhen noch sehr gewaltig unterscheiden.

07] Was ferner in den Tiefen die Handfertigkeiten und das Gewerbe betrifft, so gleichen diese auch denen auf den Höhen, bis auf einige Luxusgewerbe, welche freilich auf den Höhen durchaus nicht - zu finden sind, wo sogar die Färbung eines Fadens als sündhaft angesehen wird.

08] Auch die Nahrungsweise ist (bis auf den Genuß der Milch der großen Kuh) in der Tiefe fast dieselbe wie auf den Bergen. Nur einige Patriarchalfamilien, welche auf den Seen die schönen, großen, weißen Felsen zu Lustschlössern auf die euch schon bekanntgegebene Art zubereiten lassen, ergötzen sich oft auf diesen Schlössern auch mit manchen etwas künstlicher bereiteten und somit den Gaumen etwas mehr kitzelnden Leckerspeisen. Sie schlagen ihnen aber gewöhnlich nach und nach nicht gar zu gut an; darum dann so manche weise redenden Ärzte recht viel zu tun bekommen.

09] Wohlbemerkt, solches ist auch bei euch der Fall! Würdet ihr ganz einfach und naturgemäß leben und die Früchte der Erde so essen, wie Ich sie für euch zubereitet habe, bis auf einige wenige, die nur weicher gekocht werden könnten am Feuer - so wäre eure Sprache um vier Worte ärmer, nämlich sie wüßte von keinem Arzt etwas, noch weniger von einer Medizin oder Apotheke. Und um diese drei Worte wüßte sie darum nicht, weil ihr eigentlich das erste Wort ,Krankheit, fremd bliebe. So aber habt ihr kunstreiche Köche dann sogleich die Ärzte, dann die Apotheker mit ihrer noch kunstreicheren Küche. Und dann aus dieser ganz vollkommen diejenige Speise (Medizin), durch welche die Krankheit in dem Körper eines Patienten zum bleibenden Gaste wird.


10] Also ist es auch, freilich nicht in einem so starken Grade wie bei euch, in den Tiefen unseres Saturn der Fall. Aus diesem Grunde werden denn auch die Menschen in den Tiefen bei weitem nicht so alt wie auf den Höhen.


11] Was die Ehen betrifft, so werden diese auch in der Tiefe vor dem Patriarchen, nur manchmal mit viel mehr äußerem Prunk, geschlossen.

12] Die Zeugung von ihresgleichen ist mit der auf den Höhen gleich. Nur geschieht es dann und wann, wenn der Mann in der Tiefe zu wenig Glauben und Willenskraft besitzt, daß er dann mit seinem Weibe eine Reise ins Gebirge unternimmt, um daselbst glaubens- und willenskräftig zu werden. Wozu, brauche Ich nicht noch ferner zu sagen.

13] Das Begräbnis der Menschen in der Tiefe ist von zweifacher Art. Bei dem bessern Teil so wie auf den Höhen; bei den manchesmal etwas heidnischen Völkern dagegen, welche den lichten Ring für eine Art Gottheit halten, ist das Begräbnis wesentlich verschieden. Diese laden ihre Verstorbenen auf ihre Schiffe und fahren damit gewöhnlich aufs Meer, besonders wenn dieses nicht zu ferne von ihrem Wohnort ist. Allda auf dem Meere werden die Leichen der Verstorbenen ohne weitere Zeremonie ins Wasser geworfen; bei welcher Gelegenheit sich auch schon sogleich irgendein lebendiges »Grab« vorfindet, das nach diesen Leichen sehr begierig schnappt. Ist solch ein Begräbnis geschehen, dann kehren unsere Totengräber wieder zurück, und die ganze Begräbnisfeierlichkeit hat bei der Ankunft in der Heimat ein Ende.

14] Das ist somit nächst dem, was ihr ohnehin schon aus den gelegenheitlichen Mitteilungen wisset, das zumeist Merk- und Denkwürdige aus dem Bereich der Tal- und Ebenenbewohner des Saturn. - Somit wollen wir die eigentlich bewohnten Länder des Saturn verlassen und uns auf ganz kurzen Wegen über dieses Planeten Schnee- und Eisregionen auf unsern Ring begeben. Und somit lassen wir's für heute wieder gut sein!

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