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Kapitelinhalt 34. Kapitel: Häusliche Verfassung der Saturnmenschen. Anpflanzung eines Tempels. Das größte Gesetz. Auswanderungen. Nächstenliebe.

Originaltext 1. Auflage 1855 durch Project True-blue Jakob Lorber

Text, Verseinteilung und Überschriften nach 4. Auflage 1969 Lorber-Verlag

01] Wer ist denn daselbst Vorstand oder das Oberhaupt einer solchen oft sehr zahlreichen allgemeinen Familie?

02] Hier und da findet es sich vor, daß da noch ein Urstammvater lebet, so ist dann dieser, so lange er lebt, das Oberhaupt und zugleich auch der Oberpriester einer solchen Familie. Stirbt er aber, so tritt da der zweite Fall ein, wenn nämlich zwei oder mehrere Söhne von ihm da sind, daß sodann der älteste zum Oberhaupte sowohl in häuslichen als in kirchlichen Sachen erwählt wird. Stirbt aber auch dieser, und ein oder der andere Bruder von ihm sind noch am Leben, so überkommt da allzeit der Aelteste solche Oberleitung. Stirbt aber auch dieser, so kommt dann die Oberleitung auf den erstgebornen Sohn desjenigen Bruders, der da nach dem Urstammvater als Aeltester der Familie alsobald die Oberleitung übernommen hatte; und auf diese Weise geht dann solche Oberleitung immer auf den Aeltesten der Familie über.

03] Manchmal, wenn die Familie sehr zahlreich ist, nur bis in's fünfte Glied; ist aber eine Familie weniger zahlreich, so setzet sich die Uebernahme solches Oberleitungsamtes bis in's siebente, manchmal auch bis in's zehnte Glied fort; sodann aber geschieht eine Theilung, daß da zwei oder drei der Aeltesten demjenigen Theile aus ihnen diese allgemeine Familienwirthschaft überlassen, welcher der älteste ist; die jüngeren zwei aber nehmen dann ihre angehörigen Familienglieder zu sich, lassen sich da von dem bleibenden Bruder aussteuern, und ziehen dann mit Sack und Pack links und rechts, und suchen sich irgend einen solchen noch unbewohnten Baum auf, verrichten daselbst ihre Dankgebete, und bitten unter dem Vorstande des Aeltesten den großen Geist, daß er ihnen dieses lebendige Wohnhaus segnen möchte, und sie erhalten sammt dem Wohnhause.

04] Nach solchem Gebete geht denn der Aelteste mehrere Schritte fürbaß, und betet da allein, daß der große Geist ihm möchte zukommen lassen, also wie er es seinen Vätern gethan hatte, einen Geist des Lichtes, der ihm kundgeben möchte zu allen Zeiten den Willen des großen Geistes. Bei solcher Begebenheit fallen dann alle anderen Familienglieder auf ihre Angesichter, und der Aelteste aber hört nicht eher auf mit seinen Anrufungen, als bis der große Geist ihm gesandt hat den erwünschten Geist des Lichtes.

05] Wenn aber der Geist des Lichtes nun gekommen ist zu unserem Aeltesten, sodann bittet der Aelteste den Geist, daß er im Namen des großen Geistes da möchte segnen den neuen noch unbewohnten Baum, ihn selbst aber führen zuerst auf diesen Baum, und ihm anzeigen die Stelle, die er als leitendes Oberhaupt zu bewohnen habe. Ist solches geschehen, so dankt der Aelteste in Gegenwart des Geistes dem großen Geiste für solche große Gnade; sodann aber läßt er sich vom Geiste wieder hinabführen bis zur jenigen Stelle, da der Geist des Lichtes ihm erschien. Auf dieser Stelle nun verläßt der Geist den Aeltesten wieder, nachdem er ihm zuvor gestärkt hatte seinen Willen.

06] Wenn dann der Aelteste also gestärkt ist in seinem Geiste, dann erst kehrt er zur noch am Boden liegenden Familie zurück, und thut einen starken Ruf, auf welchen dann sobald Alle erstehen, und loben darauf und preisen den großen Geist, darum er sie gewürdigt hatte einer solchen Gnade, und hat ihnen gegeben einen eigenen geweckten Patriarchen.

07] Wenn auch dieses vollbracht wurde, sodann theilet alsobald der Aelteste die Aeste an die Familienväter aus, und sobald auch werden dieselben in den dankbarsten Besitz genommen, wenn sie nun bestiegen sind, so werdensie auch sobald gereinigt, und vollkommen zur Wohnung tauglich gemacht.

08] Bei solcher Gelegenheit, welche in unserem Planeten freilich nur selten vorkommt, geht es dann allzeit ganz fröhlich und bunt zu. Der Baum wäre zwar da, und auch vollkommen bewohnt; aber im weiten Kreise um den Baum giebt es noch keine lebendigen Wohnhäuser und keine erbauten Vorrathskammern, darum wird auch nur der erste Tag müssig zugebracht, und wird da Alles gehörig überdacht, überlegt und berathen, natürlich unter dem immerwährenden Vorstande des Aeltesten; denn ohne seine Zustimmung macht Niemand einen Schritt.

09] Wenn aber dann der nächste Tag angebrochen ist, alsdann wird sogleich zum Ausmessen für die noch abgehenden Häuser geschritten. Ist die Ausmessung geschehen, sodann werden alsobald die ausgemessenen Plätze vom Vorstande gesegnet, und die Samenkörner derjenigen Bäume, welche tauglich sind für die Errichtung der lebendigen Häuser, in gerechter Ordnung in das Erdreich gesteckt.

10] Ist auch diese Arbeit verrichtet worden, wozu im Allgemeinen selten mehr als ein einziger Tag verwendet wird, alsdann wird am nächsten Tage alsobald in einem benachbarten Walde das taugliche Holz für die Vorrathskammern gefället, bei welcher Arbeit die euch schon bekannten nützlichen Hausthiere keinen unbedeutenden Dienst leisten; und zwar beim Fällen der Bäume dasjenige euch schon bekannte halb wilde und halb zahme Schnabelthier, welches mit seinem überaus kräftigen Schnabel von den Pyramidenbäumen die dicksten Aeste herabbeißt, welche Aeste dann sobald unsere bekannten Saturnushausknechte ergreifen, und sie behende an Ort und Stelle schaffen, wie es ihnen die Saturnusbewohner anzeigen.

11] Sind auf diese Weise die Bauhölzer im Verlaufe von wenigen Tagen allerorts herbeigeschafft, dann werden sie auch alsobald behauen, und sodann aus ihnen gezimmert die euch schon bekannt gegebenen Vorrathskammern.

12] Wenn solches geschehen ist, sodann werden die euch schon bekannten Thierstallungen und Gärten angepflanzt, und ausgesucht irgend ein oder der andere Regenbaum, um welchem sobald ein ziemlich weiter Damm aufgerichtet wird, damit sich dann innerhalb eines solchen Dammes das Wasser sammle und einen Teich bilde.

13] Sind irgend Gebirgsquellen vorhanden, so werden da auch sobald die euch schon bekannten Wasserleitungen gemacht, durch welche das Wasser in die Gegend der Hauptwohnung geleitet wird. Solche Wasserleitungen geschehen entweder mittelst der euch schon bekannten Stangenschnecke; in Ermangelung dieser aber werden auch jene Früchte des Trichterbaumes dazu verwendet, die ihr auch schon kennet, wie sie aussehen.

14] Ist auch solches geschehen, sodann wird erst zu der Ausmessung und Bestimmung anderer Grundstücke geschritten. Stoßen sie bei solcher Austheilung an etwa zu nahe liegende Wälder von den Trichterbäumen, so werden solche abgestockt so weit hin, bis der Grund das rechte Maß hat; auch bei dieser Arbeit bekommen unsere bekannten Thiere wieder recht viel zu thun. Das Holz solcher abgestockten Bäume wird dann am Ende eines jeder Familie gehörigen Grundantheiles zu trocknen aufgeschichtet, damit es dann tauglich werde zur Feuerung.

15] Ist auch die Arbeit geschehen, so werden die Gründe vom Aeltesten gesegnet, und alsdann mit allerlei Früchten besäet, welche Ansaat in diesem Planeten gewöhnlich nur alle zehn Jahre einmal geschieht. Wo aber die Gründe fetter sind, da ist eine einmalige Ansaat für alle Zeiten hinreichend; denn die Wurzeln sämmtlicher Saturnusvegetation sterben nicht so leicht ab, sondern erhalten sich alsofort lebend im Erdreich, wie bei euch die Wurzeln so mancher Gesträuche und Zwiebelgewächse.

16] Ist dann auch diese Arbeit als die letzte wirthschaftliche verrichtet, sodann wird dem großen Geiste wieder ein allgemeines Dankgebet dargebracht, und wird am Ende auch die inständigste Bitte hinzugefügt, daß er allen diesen Früchten und aller ihrer Arbeit das ihm allein wohlgefällige Gedeihen möchte hinzukommen lassen.

17] Nach der Verrichtung eines solchen Dank- und Bittgebetes wird erst für den Saturnusbewohner zu der allerwichtigsten Arbeit geschritten, nämlich zur Anpflanzung eines Tempels, darinnen dem großen Gotte allein nur ein Ihm wohlgefälliges Opfer darf dargebracht werden. Bei dieser Arbeit aber werden nur der eigentliche Aelteste und seine zwei Mitältesten beschäftiget, und darf da niemand Anderer an ein solches geheiligtes Werk Hand anlegen.

18] Wie geschieht denn aber solches? Auch bei solcher Gelegenheit bezieht sich der Aelteste auf diejenige Stelle, da ihm der Geist des Lichtes zum ersten Mal erschien, und bittet da den großen Geist sobald wieder inständigst, daß er Ihm durch den Geist des Lichtes allergnädigst anzeigen möchte, wo es Ihm wohlgefiele, daß da Ihm errichtet würde ein Tempel. Wenn da der Aelteste lange genug gefleht hat, und ist ihm kein Geist erschienen, so wird diejenige Stelle, wo ihm der Geist zuerst erschienen ist, zum gerechten Anbau des Tempels verwendet; wann aber der Geist, was am gewöhnlichsten zu geschehen pflegt, erscheint, so führt er dann den Aeltesten entweder auf eine Stelle hin, wo der Tempel errichtet werden solle, oder der Aelteste ersieht den Geist schon auf einer solchen Stelle. Alsdann begiebt sich der Aelteste alsobald zu jener Stelle hin, da der Geist seiner harret, und zeigt ihm den wahren Umriß.

19] Und allda aber der Geist harret, wird ein Zeichen gelegt, damit auf derselben Stelle soll jene Erhöhung im Tempel gemacht werden, von welcher der Aelteste für's Erste seine Familie zu belehren hat; zugleich aber wird ihm auch gegen den rückwärtigen geheiligten Ausgang eine Stelle gezeigt, auf welcher der Aelteste nach der gerechten Anrufung des großen Geistes allzeit dessen Willen erfährt mittelst desjenigen Geistes, der da ihm anzeigt solche Stelle in dem Tempel.

20] Wenn solches alles geschehen ist, so wird der Geist sobald wieder unsichtbar; der Aelteste giebt dann ein Zeichen gewisserart von Mann zu Mann, welche in gewissen Entfernungen von einander abstehen bis zum Wohnbaume hin, daß er die Bewilligung vom großen Geiste empfangen habe, auf dieser Stelle einen Tempel zu erbauen, und fordert sie darauf auf, mit ihm zu danken dem großen Geiste für solche Gnade, und ihn dann auch zu bitten für das baldmöglichste Gedeihen der Ansaat des Tempels, und daß der große Geist sie allzeit in diesem Tempel für würdig befinden möchte, ihnen kund zu thun seinen heiligen Willen.

21] Wenn solches alles mit großem Ernste verrichtet worden ist, sodann beruft der Aelteste die zwei oder drei Nachältesten, und theilet ihnen die vom Geiste angehauchten Samenkörner zur Ansaat des Tempels mit, sodann gehen sie auch sogleich an das Werk, und stecken mit großer Andacht und großem Vertrauen die Samenkörner der edelsten und schönsten Baumgattungen in das Erdreich.

22] Die Zwei oder Drei pflanzen den Vordertheil des Tempels an, der da für's Volk bestimmt ist; der Aelteste aber pflanzet an das Heiligtum des Tempels, und das zwar zumeist lauter Strahlenbäume, während der andere Theil des Tempels zu allermeist aus lauter Spiegelbäumen angepflanzt wird.

23] Außer dieser eliptischen Eiform des Tempels wir daher auch noch in gerechter Entfernung statt einer Ringmauer ein Kreis der edelsten Art des Wandbaumes gesetzt; welche edelste Art des Wandbaumes von der gemeinen Art des Wandbaumes sich darin unterscheidet, daß, wie ihr wißt, die Rinde des gewöhnlichen Wandbaumes aussieht wie blankes Gold bei euch. Die Rinde der edelsten Art dieses Baumes sieht aber also aus, als möchtet ihr einen vielfachen Regenbogen über einander stellen, die Farben aber hätten dabei dennoch den lebhaftesten metallischen Glanz. Die Blätter, die er da an der obersten Kante treibt, haben nahe die Form der Aloeblätter bei euch, nur sind sie natürlich im Verhältnisse zu Allem, was auf diesem Planeten ist, im gerechten Verhältnisse überaus groß; ja manches Blatt ist nicht selten so groß, daß ihr nach eurem Maße ganz bequem ein ganzes Regiment Krieger hinaufstellen könntet. Die Farbe der Blätter ist ganz blendend weiß; die Blüthe aber ist gerade also, als wie bei dem gemeinen Wandbaume, nur ist sie zarter und hat einen überaus lieblichen Geruch.

24] Nun sehet, wenn demnach unsere Tempelbauer solche Arbeit vollzogen haben, sodann danken sie dem großen Geiste abermals für die Kraft und für die Einsicht, daß sie den Tempel also errichten mochten; und bitten Ihn dann, Er möchte wunderbar dieser Ansaat zu Hülfe kommen, damit der Tempel alsobald wohlbereitet dem Boden aus den gelegten Samenkörnern entwachsen möchte.

25] Nach solchem Dank- und Bittgebete verlassen sie dann mit großer Ehrfurcht die Stelle, da sie den Tempel angelegt haben, und gehen rücklings von selbem weg bis über die Hälfte des Weges bis zu ihrem Wohnbaume; alsdann erst verbeugen sie sich tief, und gehen dann gerade aus nach Hause.

26] Da angelangt heißen sie alle Andern erstehen vom Boden, und besteigen die ihnen eingeräumten Aeste des Wohnbaumes, auf welchen dann erst nach der Segnung des Aeltesten Speise und Trank zu sich genommen wird; denn während der Ansaat des Tempels, welche den Saturnusbewohnern eine der erbaulichsten Handlungen ist, wird von Niemand etwas gegessen oder getrunken.

27] Wenn die Mahlzeit aber vorüber ist, welche gewöhnlich bei solchen Gelegenheiten, wie auch hernach an den bestimmten Geistestagen allzeit nur am Abende gehalten wird, ermahnt der Aelteste alle sämmtlichen Familienglieder, daß sie da möchten ihren Willen mit dem Willen des großen Geistes, den er ihnen kund giebt, innigst vereinigen und sollen keinen andern Willen nun haben, als daß die Ansaat des Tempels bald möglichst wunderbar gedeihe.

28] Auf solche Ermahnung schärft dann jeder Saturnusbewohner seinen Willen und dünget mit demselben den Boden, allda derselbe angesäet ist; und ihr könnet es glauben, es geht bei einer solchen Gelegenheit wirklich allzeit wunderbar vor sich, so zwar, daß da nicht selten am nächsten Morgen ein solcher vorerst angesäter Tempel schon in aller seiner für euch unbegreiflich großen Pracht vollendet dasteht.

29] Wann aber der Tempel erschaut wird von einer solchen Familie, sodann hat es des frommen Jubelns und Lobens kein Ende, und dauert oft solches Jubeln, Loben und Preisen mehre Tage und Nächte hintereinander.

30] Aus welchem Grunde sind unsere Saturnusbewohner denn gar so fröhlich, wenn ihr Tempel so schnell und wohl gediehen ist? Der Grund ist mehrfach; der erste Hauptgrund ist der, daß sie dadurch zur Ueberzeugung gelangen, daß der große Geist auch in dieser neuen Wohnstätte also mit ihnen ist, wie er war zuvor in der alten; ein zweiter Grund ist, daß sie dadurch nun wieder einen Ort haben, in welchem sie sich durch ihren Aeltesten dem großen Geiste nahen können und dürfen; ein dritter Grund ist der, daß eben durch einen solchen Tempel eine solche nun getrennte Familie als manifestirt dem großen Geiste wohlgefällig erscheint;

31] Und noch ein Grund, der aber mit diesem Grunde nahe zusammenhängt, ist der, daß eine solche allgemeine Familie dadurch erkennet, daß der eingenommene neue Besitz ein rechtmäßiger und daher auch ein bleibender ist; denn würde der Tempel nicht so schnell gedeihen, so wäre ihr Besitztum von ihnen aus betrachtet, nicht ein rechtmäßiger, und sie müßten daher stets bereit sein, wenn da Jemand käme und sagte, daß dieser Grund schon von Jemand besessen ist, selben alsogleich ohne Widerrede abzutreten, und sich einen andern zu suchen.

32] Steht aber einmal der Tempel da, sodann hat ein allfälliger früherer Besitzer alles Recht auf dieses Besitztum verloren, ja er würde sich beim Anblicke eines solchen neu entstandenen Tempels auch nicht getrauen, nur die allerleiseste Anforderung auf eine Rückgabe zu machen; denn da haben sie ein allergrößtes Gesetz unter sich, welches also lautet:

33] „Was Jemanden der große Geist gegeben hat, das gehört vollkommen Dem, der es empfangen hatte vom großen Geiste; und kein Wesen des Himmels, kein Geist des Lichtes und keine Creatur der Welt hat da mehr das Recht, ihm die allerhöchste Gabe streitig zu machen. Wer da solches thäte, der solle sobald hinausgetrieben werden an diejenigen Stellen dieser Welt, da nichts, als die ewige Kälte, das ewige Eis, der ewige Schnee seiner harret."

34] Ein solches Gesetz weiß jeder Saturnusbewohner, und hat auch nahe vor keinem Gesetze eine solche Achtung, wie vor dem, aus welchem Grunde namentlich bei den Gebirgsbewohnern schon gar nie Eigentumsstreitigkeiten vorkommen, denn unter sich beobachten sie immerwährend die schönste Ordnung.

35] Was aber die Verhältnisse zwischen Nachbarn und Nachbarn betrifft, so werden allda nirgends nur von ferne hin Gränzen gezogen, sodann, wenn Jemand hinkommt, da ist er auch so gut wie vollkommen auf seinem Eigentume zu Hause; denn ein jeder Mensch trägt schon in sich selbst das Zeugniß des großen Geistes, und dieses genügt, um zu bereisen den ganzen großen Weltkörper.

36] Wenn es sodann manchesmal geschieht, daß da irgend ein Continentland zu viele Einwohner hat, so gesellen sich auch Familien und ziehen also vergesellschaftet auf den euch schon bekannten Wasserfahrzeugen in ein ander Continentland; allda angelangt suchen sie sich sobald irgend eine passende Wohnstätte auf, haben sie sich eine gefunden, so haben sie alsogleich das Recht, ein ganzes Jahr dort zu wohnen und zu genießen, was der Boden trägt.

37] Gedeiht die Ansaat des Tempels wunderbar auf die vorbezeichnete Art, oder auch nur successiv auf natürlichem Wege, jedoch also, daß die ausgewanderte Familie bei einer allfälligen Anfrage eines abgesandten Eingebornen demselben die Stelle, wo der Tempel angebaut ist, also zeigen kann, daß die Tempelbäume schon alle in gutem Wachstume begriffen sind, sodann sind sie auch schon vollkommene Eigenthümer des Bodens, den sie eingenommen haben, und der vorige Eigenthümer hat dann kein Recht mehr darauf, was die Neuangekommenen Besitz genommen haben, außer das Recht der Freundschaft;

38] welches Recht aber nie ein Saturnusmensch dem andern verweigert, und sodann alsogleich mit ihm gemeinschaftliche Sache macht, worauf dann der Aelteste der neuen Ankömmlinge zu ihm saget:

39] „Bruder im großen Geiste, siehe, wie deine Augen mich ansehen, und nichts finden an mir, das da ihnen verweigern möchte den Anblick meiner Person, also soll auch dein Herz in meinem Herzen nichts finden, das dir je etwas verweigern könnte, dessen du bedarfst, darum du bist ein Bruder zu mir in unsrem großen Geiste."

40] Nach solchen Worten umarmen sie sich, und diese Umarmung ist eine bleibende Urkunde der vollkommenen Gütergemeinschaft zweier solcher Familien. Daraus ladet der Abgesandte alsogleich die ganze neu angekommene Familie, unterdessen von seiner Wohnung einen wohlgefälligen Mitgebrauch zu machen, bis das neue Besitztum vollkommen gediehen ist in Allem, und sobald auch folget dem Gesandten, der gewöhnlich ein Aeltester selbst ist, die neu angekommene Familie in dessen Wohnung.

41] Eine solche Gelegenheit ist dann allzeit eines der größten Freudenfeste; denn für den Saturnusmenschen giebt es nahe nichts Größeres und Erhebenderes, als wann er in einem anderen Continentlande findet einen Bruder im großen Geiste. Denn also pflegen sich in diesem Planeten die Menschen gegenseitig zu nennen.

42] Geschieht es aber manchmal, daß der Neuangekommene bei der freundschaftlichen Ankunft in der Wohnung des andern Aeltesten sich überzeuget, daß dieser in seinen Verhältnissen nur dürftig ausgestattet ist, sodann trägt er ihm alsobald seine Dienste an zur Urbarmachung und bedeutenden Erweiterung der Gründe, welche Dienste der andere allzeit freundlichst und dankbarst annimmt, und im Gegentheile auch dafür seine Dienste seinem neuen Nachbarn anträgt.

43] Sagt aber der Neuangekommene zu ihm: „Bruder im großen Geiste, ich habe mich nun überzeugt, daß du dürftig bist, siehe darum habe ich beschlossen, dir dein früheres Eigentum wieder abzutreten, und mir irgend anderswo eine Wohnstätte zu suchen; - auf solchen Antrag erwidert dann der andre Aelteste: Bruder im großen Geiste, eher möchte ich mein eigenes Leben von mir lassen und wünschen, daß ich nicht wäre, bevor ich dich die Stelle solle verlassen sehen, die du dem großen Geiste wohlgefällig eingenommen hast; du weißt ja, daß nicht der Grund, sondern allein der große Geist die Mittel zum Leben giebt. Daher ist der Boden, den wir bewohnen, ja groß genug, um zehn oder noch mehrere Familien, wie wir sie haben, vollkommen zu ernähren.


44] Wenn dann gewöhnlich der Neuangekommene von seinem Vorhaben absteht, so giebt das wieder ein großes Freudenfest, und der alte Bewohner bietet da alles Mögliche auf, um seinen neu angekommenen Bruder im großen Geiste für alle Zeiten an sein Bruderherz zu fesseln.

45] Bis hierher für heute; nächstens wollen wir die Verfassungen unserer Gebirgsbewohner noch weiter verfolgen.

01] Wer ist denn auf dem Hochland der Vorstand oder das Oberhaupt einer solchen oft sehr zahlreichen, allgemeinen Familie?

02] Hier und da findet es sich vor, daß noch ein Urstammvater lebt; dann ist dieser, solange er lebt, das Oberhaupt und zugleich auch der Oberpriester einer solchen Familie. Stirbt er und es sind zwei oder mehrere Söhne von ihm da, so wird der älteste zum Oberhaupte sowohl in häuslichen als in kirchlichen Sachen erwählt. Stirbt auch dieser und ein oder der andere Bruder von ihm ist noch am Leben, so überkommt da allzeit der älteste Bruder die Oberleitung. Stirbt aber auch dieser, so kommt dann die Oberleitung auf den erstgeborenen Sohn desjenigen Bruders, der nach dem Urstammvater als Ältester der Familie die Oberleitung übernommen hatte. Auf diese Weise geht solche Oberleitung immer auf den Ältesten der Familie über.

03] Ist eine Familie weniger zahlreich, so setzt sich die Übernahme solches Oberleitungsamtes bis ins siebente, manchmal auch bis ins zehnte Glied fort. Wenn aber die Familie nur sehr zahlreich ist bis ins fünfte Glied? Sodann geschieht eine Teilung, und zwar dadurch, daß zwei oder drei der Ältesten demjenigen von ihnen die allgemeinen Familienwirtschaft überlassen, welcher der älteste ist. Die jüngeren zwei aber nehmen ihre angehörigen Familienglieder zu sich, lassen sich von dem bleibenden Bruder aussteuern ziehen mit ihrer Habe ergeben von dannen und suchen sich irgendeinen solchen, noch unbewohnten Baum auf. Daselbst verrichten sie ihre Dankgebete und bitten unter dem Vorstand des Ältesten den Großen Geist, daß Er ihnen dieses lebendige Wohnhaus segnen und sie erhalten möchte samt dem Wohnhause.

04] nach solchem Gebet geht dann der Älteste mehrere Schritte abseits und betet da allein, daß der Große Geist ihm möchte, so wie Er es seinen Vätern getan hatte, einen Geist des Lichtes zukommen lassen, der ihm zu allen Zeiten den Willen des Großen Geistes kundgeben könnte. Bei solcher Begebenheit fallen dann alle anderen Familienmitglieder auf ihre Angesichter. Der Älteste hört nicht eher mit seinen Anrufungen auf, als bis der Große Geist ihm den erwünschten Geist des Lichtes gesandt hat.

05] Wenn der Geist des Lichtes zu unserem Ältesten gekommen ist, dann bittet der Älteste den Geist, daß er im Namen des Großen Geistes den neuen, noch unbewohnten Baum segnen solle, ihn selbst aber zuerst auf diesen Baum führen und ihm die Stelle anzeigen möchte, die er als leitendes Oberhaupt zu bewohnen habe. Ist solches geschehen, so dankt der Älteste in Gegenwart des Lichten dem Großen Geiste für solche große Gnade. Sodann läßt er sich vom Geiste wieder hinabführen bis zu der Stelle, wo der Geist des Lichtes ihm erschienen ist. Auf dieser Stelle nun verläßt derselbe den Ältesten wieder, nachdem er ihm zuvor seinen Willen gestärkt hatte.


06] So gestärkt in seinem Innern, kehrt der Älteste zur noch am Boden liegenden Familie zurück und ruft mit starker Stimme, worauf sobald alle aufstehen und den Großen Geist loben und preisen, daß Er sie einer solchen Gnade gewürdigt und ihnen einen eigenen erweckten Patriarchen gegeben hat.


07] Wenn auch dieses vollbracht ist, dann teilt der Älteste die Äste an die Familienväter aus, und diese werden dankbar in Besitz genommen. Sie werden alsbald gereinigt und vollkommen zur Wohnung tauglich gemacht.


08] Bei solcher Gelegenheit, welche auf unserem Planeten freilich nur selten vorkommt, geht es dann allzeit ganz fröhlich und bunt zu. Der Baum wäre zwar da und auch vollkommen bewohnt; aber im weiten Kreise um den Baum gibt es noch keine lebendigen Wohnhäuser und keine erbauten Vorratskammern. Darum wird auch nur der erste Tag müßig zugebracht und wird da alles gehörig überdacht, überlegt und beraten, natürlich unter dem immerwährenden Vorstand des Ältesten; denn ohne seine Zustimmung macht niemand etwas.

09] Wenn dann der nächste Tag angebrochen ist, wird sogleich zum Ausmessen für die noch fehlenden Häuser geschritten. Sodann werden die ausgemessenen Plätze vom Vorstand gesegnet und die Samenkörner derjenigen Bäume, welche tauglich sind für die Errichtung der lebendigen Häuser, in gerechter Ordnung in das Erdreich gesteckt.

10] Ist diese Arbeit verrichtet worden, wozu im allgemeinen selten mehr als ein einziger Tag verwendet wird, dann wird am nächsten Tag in einem benachbarten Wald das taugliche Holz für die Vorratskammern gefällt, bei welcher Arbeit die euch schon bekannten nützlichen Haustiere keinen unbedeutenden Dienst leisten. Beim Fällen der Bäume ist es das euch schon beschriebene halb wilde und halb zahme Schnabeltier, welches mit seinem überaus kräftigen Schnabel von den Pyramidenbäumen die dicksten Äste herabbeißt, welche dann unsere bekannten »Saturn-Hausknechte« ergreifen und behende an Ort und Stelle schaffen, wie es ihnen die Saturnbewohner anzeigen.

11] Sind auf diese Weise die Bauhölzer im Verlaufe von wenigen Tagen allerorts herbeigeschafft, dann werden sie auch alsbald behauen und sodann aus ihnen die schon beschriebenen Vorratskammern gezimmert.


12] Wenn solches geschehen ist, werden die euch schon bekannten Tierstallungen und Gärten angepflanzt und wird irgendein Regenbaum aufgesucht, um welchen ein ziemlich weiter Damm aufgerichtet wird, damit sich innerhalb eines solchen Dammes das Wasser sammle und einen Teich bilde.


13] Sind irgend Gebirgsquellen vorhanden, werden auch da die so einfachen Wasserleitungen angelegt, durch welche das Wasser in die Gegend der Hauptwohnung geleitet wird. Solche Wasserleitungen entstehen mittelst der euch schon bekannten Stangenschnecken. In Ermangelung dieser werden aber auch jene Früchte des Trichterbaumes dazu verwendet, die ihr schon kennt.

14] Ist solches geschehen, dann wird zu der Ausmessung und Bestimmung anderer Grundstücke geschritten. Stoßen sie bei solcher Aufteilung an etwa zu nahe liegende Wälder von Trichterbäumen; so werden solche so weit hin gefällt, bis der Grund das rechte Maß hat. Auch bei dieser Arbeit bekommen unsere bekannten Tiere wieder recht viel zu tun. Das Holz solcher gefällten Bäume wird am Ende eines jeder Familie gehörigen Grundanteiles zum Trocknen aufgeschichtet, damit es tauglich werde zur Feuerung.

15] Ist auch diese Arbeit getan, so werden die Gründe vom Ältesten gesegnet und dann mit allerlei Früchten besät, welche Ansaat auf diesem Planeten gewöhnlich nur alle zehn Jahre einmal geschieht. Wo aber die Gründe fetter sind, da ist eine einmalige Ansaat für alle Zeiten hinreichend; denn die Wurzeln sämtlicher Saturnpflanzen sterben nicht so leicht ab, sondern erhalten sich alsofort lebend im Erdreich, wie bei euch die Wurzeln so mancher Gesträuche und Zwiebelgewächse.

16] Ist dann diese Arbeit als die letzte wirtschaftliche verrichtet so wird dem Großen Geiste wieder ein allgemeines Dankgebet dargebracht und am Ende auch die inständige Bitte hinzugefügt, daß Er allen diesen Früchten und aller ihrer Arbeit das Ihm allein wohlgefällige Gedeihen möchte hinzukommen lassen.

17] Nach der Verrichtung eines solchen Dank- und Bittgebetes wird von den Saturnbewohnern erst zu der allerwichtigsten Arbeit geschritten, nämlich zur Anpflanzung eines Tempels, darin dem Großen Gott allein nur ein Ihm wohlgefälliges Opfer dargebracht werden darf. Bei dieser Arbeit aber werden nur der eigentliche Älteste und seine zwei Mitältesten beschäftigt und darf niemand anders an ein solches geheiligtes Werk Hand anlegen.


18] Wie geschieht denn dieses? Auch bei dieser Gelegenheit begibt sich der Älteste auf die Stelle, wo ihm der Bote des Jenseits zum ersten Mal erschien, und bittet den Großen Geist wieder inständigst, daß Er ihm durch den Geist des Lichtes allergnädigst anzeigen möchte, wo es Ihm wohlgefiele, daß Ihm ein Tempel errichtet würde. Wenn da der Älteste lange genug gefleht hat und ist ihm niemand erschienen, so wird diejenige Stelle, wo ihm der Geist zuerst erschienen ist, zum gerechten Anbau des Tempels verwendet. Wenn aber der Geist, was gewöhnlich zu geschehen pflegt, erscheint, so führt er den Ältesten entweder auf eine Stelle hin, wo der Tempel errichtet werden soll, oder der Älteste ersieht den Geist schon auf einer solchen Stelle. Alsdann begibt sich der Älteste zu jener Stelle hin, da der Geist seiner harrt und ihm den wahren Umriß zeigt.


19] Wo aber der Geist harrt, wird ein Zeichen gelegt, damit auf der Stelle jene Erhöhung im Tempel gemacht werden soll, von welcher der Älteste seine Familie zu belehren hat. Zugleich wird ihm auch in der Richtung des rückwärtigen Ausgangs eine Stelle gezeigt, auf welcher der Älteste nach der gerechten Anrufung des Großen Geistes allzeit dessen Willen erfährt durch den himmlischen Boten, der ihm solche Stelle in dem Tempel anzeigt.


20] Wenn dies alles geschehen ist, wird der Geist wieder unsichtbar. Der Älteste gibt dann ein Zeichen, gewissermaßen von Mann zu Mann durch eine Reihe von Boten, welche in bestimmten Entfernungen voneinander abstehen bis zum Wohnbäume hin daß er die Bewilligung vom Großen Geiste empfangen habe, auf dieser Stelle einen Tempel zu erbauen. Er fordert sie dann auf, mit ihm dem Großen Geiste für solche Gnade zu danken und Ihn auch zu bitten um das baldmögliche Gedeihen der Ansaat des Tempels und daß der Große Geist sie allzeit in diesem Tempel für würdig befinden möchte, ihnen Seinen heiligen Willen kundzutun.

21] Wenn solches alles mit großem Ernste verrichtet worden ist, beruft der Älteste die zwei oder drei Nachältesten und teilt ihnen die vom Geiste angehauchten Samenkörner zur Ansaat des Tempels aus. Dann gehen sie auch sogleich an das Werk und stecken mit großer Andacht und großem Vertrauen die Samenkörner der edelsten und schönsten Baumgattungen in das Erdreich.

22] Die zwei oder drei pflanzen den Vorderteil des Tempels an, der fürs Volk bestimmt ist; der Älteste aber pflanzt das Heiligtum des Tempels an, und das zumeist lauter Strahlenbäume während der andere Teil des Tempels im allgemeinen mit Spiegelbäumen bepflanzt wird.

23] Außer der elliptischen Eiform des Tempels wird auch noch in gerechter Entfernung, statt einer Ringmauer ein Kreis der edelsten Art des Wandbaumes gesetzt. Diese edelste Art des Wandbaumes unterscheidet sich von der gemeinen Art darin, daß, wie ihr wißt, die Rinde des gewöhnlichen Wandbaumes aussieht wie blankes Gold; die Rinde der edelsten Art dieses Baumes aber sieht aus als möchtet ihr einen vielfachen Regenbogen übereinander stellen, die Farben aber hätten dabei den lebhaftesten metallischen Glanz. Die Blätter, die er an der oberen Kante treibt, haben nahezu die Form der Aloeblätter bei euch, nur sind sie natürlich im gerechten Verhältnis zu allem, was auf diesem Planeten ist, überaus groß. Die Farbe der Blätter ist ganz blendend weiß. Die Blüte ist gerade so wie bei dem gemeinen Wandbaum, nur ist sie zarter und hat einen überaus lieblichen Geruch.



24] Wenn unsere Tempelbauer solche Arbeit vollzogen haben, danken sie dem Großen Geiste abermals für die Kraft und für die Einsicht, daß sie den Tempel also errichten durften, und bitten Ihn dann, Er möchte wunderbar dieser Ansaat zu Hilfe kommen, damit der Tempel wohlbereitet aus den gelegten Samenkörnern dem Boden entwachsen könne.

25] Nach solchem Dank- und Bittgebet verlassen sie mit großer Ehrfurcht die Stelle, wo sie den Tempel angelegt haben, und gehen rückwärts von selbem weg bis über die Hälfte des Weges zu ihrem Wandbaume. Dann erst verbeugen sie sich tief und gehen geradeaus nach Hause.

26] Da angelangt, heißen sie alle anderen vom Boden aufstehen und besteigen die ihnen eingeräumten Äste des Wohnbaumes, auf welchen dann erst nach der Segnung des Ältesten Speise und Trank zu sich genommen wird. Denn während der Ansaat des Tempels, welche den Saturnbewohnern eine der erbaulichsten Handlungen ist, wird von niemand etwas gegessen oder getrunken.

27] Wenn die Mahlzeit vorüber ist, welche bei solchen Gelegenheiten wie auch hernach an den bestimmten Geistestagen allzeit nur am Abend gehalten wird, ermahnt der Älteste sämtliche Familienglieder, sie möchten ihren Willen mit dem Willen des Großen Geistes innigst vereinigen und sollen keinen andern Willen nun haben, als daß die Ansaat des Tempels baldmöglichst wunderbar gedeihe.


28] Auf solche Ermahnung schärft dann jeder Saturnbewohner seinen Willen, kräftigt mit demselben den Boden, wo der Tempel angesät ist. Und ihr könnt es glauben, es geht bei einer solchen Gelegenheit wirklich allzeit wunderbar zu, und zwar so, daß nicht selten am nächsten Morgen ein solcher kaum erst angesäter Tempel schon in aller seiner für euch unbegreiflich großen Pracht vollendet dasteht.

29] Wenn aber der Tempel von einer solchen Familie erschaut wird, hat es des frommen Jubelns und Lobens kein Ende. Und es dauert solches Jubeln, Loben und Preisen oft mehrere Tage und Nächte hintereinander.

30] Aus welchem Grunde sind unsere Saturnbewohner denn gar so fröhlich, wenn ihr Tempel so schnell und wohl gediehen ist? Der Grund ist ein mehrfacher. Der erste Hauptgrund ist der, daß sie dadurch zur Überzeugung gelangen, daß der Große Geist, auch in dieser neuen Wohnstätte so mit ihnen ist, wie Er zuvor in der alten war. Ein zweiter Grund ist, daß sie dadurch nun wieder einen Ort haben, an welchem sie sich durch ihren Ältesten dem Großen Geiste nahen können und dürfen. Ein dritter Grund ist der, daß eben durch einen solchen Tempel eine nun getrennte Familie als dem Großen Geiste offenbar wohlgefällig erscheint.

31] Und noch ein Grund, der aber mit diesem dritten Grunde nahe zusammenhängt, ist der, daß eine solche allgemeine Familie dadurch erkennt, daß der eingenommene neue Besitz ein rechtmäßiger und daher auch ein bleibender ist. Denn würde der Tempel nicht so schnell gedeihen, so wäre ihr Besitztum, von ihnen aus betrachtet, nicht ein rechtmäßiger, und sie müßten daher stets bereit sein, wenn jemand käme und sagte, daß dieser Grund schon vorher von ihm in Besitz genommen war, ihn sogleich ohne Widerrede abzutreten und sich einen andern zu suchen.

32] Steht aber einmal der Tempel da, dann hat ein etwaiger früherer Besitzer alles Recht auf dieses Besitztum verloren, ja er würde sich beim Anblick eines solchen neu entstandenen Tempels nicht getrauen, auch nur die allerleiseste Anforderung auf eine Rückgabe zu machen. Denn da haben sie ein allergrößtes Gesetz unter sich, welches also lautet:

33] Was der Große Geist jemandem gegeben hat, das gehört vollkommen dem, der es empfangen hat vom Großen Geiste. Und kein Wesen des Himmels, kein Geist des Lichtes und keine Kreatur der Welt hat da mehr das Recht, ihm die allerhöchste Gabe streitig zu machen. Wer solches täte, der soll hinausgetrieben werden an die Stellen dieser Welt, wo nichts als die ewige Kälte, das ewige Eis und der ewige Schnee seiner harret.«

34] Ein solches Gesetz weiß jeder Saturnbewohner. Und er hat auch nahe vor keinem Gesetze eine solche Achtung wie vor ihm. Aus diesem Grunde kommen namentlich bei den Gebirgsbewohnern gar nie Eigentumsstreitigkeiten vor, denn unter sich beachten sie immerwährend die schönste Ordnung.

35] Was aber die Verhältnisse zwischen Nachbarn und Nachbarn betrifft, so werden da nirgends nur von ferne hin Grenzen gezogen; sondern wo jemand hinkommt, da ist er auch so gut wie vollkommen auf seinem Eigentum zu Hause. Denn ein jeder Mensch trägt schon in sich selbst das Zeugnis des Großen Geistes, und dieses genügt, um den ganzen großen Weltkörper zu bereisen.

36] Wenn es manchesmal geschieht, daß irgendein Kontinentland zu viele Einwohner hat, so gesellen sich mehrere Familien und ziehen also vergesellschaftet auf den euch schon bekannten Wasserfahrzeugen in ein anderes Saturnland. Allda angelangt, suchen sie sich irgendeine passende Wohnstätte auf. Haben sie eine solche gefunden, so haben sie das Recht, ein ganzes Jahr dort zu wohnen und zu genießen, was der Boden trägt.


37] Gedeiht die Ansaat des Tempels wunderbar auf die vorbezeichnete Art oder auch nur nach und nach auf natürlichem Wege, jedoch so, daß die ausgewanderte Familie bei der vorgenommenen Anfrage eines abgesandten Eingeborenen demselben die Stelle, wo der Tempel angebaut ist, zeigen und darauf hinweisen kann, daß die Tempelbäume schon alle in gutem Wachstum begriffen sind dann sind sie auch schon vollkommene Eigentümer des Bodens, den sie eingenommen haben. Und der vorige Eigentümer hat dann kein Recht mehr auf das, was die Neuangekommenen als Besitz erworben haben, außer das Recht der Freundschaft.

38] Dieses Recht der Freundschaft aber verweigert ein Saturnmensch dem andern nie, sondern macht gleich mit ihm gemeinschaftliche Sache. Worauf dann der Älteste der Ankömmlinge zu ihm sagt:

39] »Bruder im Großen Geiste, siehe, wie deine Augen mich ansehen und nichts finden an mir, das ihnen verweigern möchte den Anblick meiner Person, also soll auch dein Herz in meinem Herzen nichts finden, was dir je etwas verweigern könnte, dessen du bedarfst, darum du bist ein Bruder zu mir in unserm Großen Geiste.«

40] Nach solchen Worten umarmen sie sich. Und diese Umarmung ist eine bleibende Urkunde der vollkommenen Gütergemeinschaft zweier solcher Familien. Darauf ladet der Abgesandte die ganze neuangekommene Familie ein, unterdessen von seiner Wohnung einen wohlgefälligen Mitgebrauch zu machen, bis das neue Besitztum vollkommen in allem gediehen ist. Und sobald auch folgt dem Abgesandten, der gewöhnlich ein Ältester selbst ist, die neu angekommene Familie in dessen Wohnung.

41] Eine solche Gelegenheit ist dann allzeit eines der größten Freudenfeste. Denn für den Saturnmenschen gibt es beinahe nichts Größeres und Erhebenderes, als wenn er in einem neuen Kontinentlande einen »Bruder im Großen Geiste« findet. Denn also pflegen sich auf diesem Planeten die Menschen gegenseitig zu nennen.

42] Geschieht es aber manchmal, daß der Neuangekommene bei der freundschaftlichen Ankunft in der Wohnung des andern Ältesten sich überzeugt, daß dieser in seinen Verhältnissen nur dürftig ausgestattet ist, dann trägt er ihm alsbald seine Dienste an zur Urbarmachung und bedeutenden Erweiterung der Gründe, welche Dienste der andere allzeit freundlichst und dankbar annimmt und als Gegengabe dafür auch seine Dienste dem Nachbarn anträgt.

43] Sagt aber der Neuangekommene zu ihm: »Bruder im Großen Geiste! Ich habe mich nun überzeugt, daß du bedürftig bist, siehe darum habe ich beschlossen, dir dein früheres Eigentum wieder abzutreten und mir irgend anderswo eine Wohnstätte zu suchen« so erwidert auf solchen Antrag dann der andere Älteste: »Bruder im Großen Geiste! Eher möchte ich mein eigenes Leben von mir lassen und wünschen, daß ich nicht wäre, bevor ich dich die Stelle sollte verlassen sehen, die du, dem Großen Geiste wohlgefällig, auf meinem Felde eingenommen hast! Du weißt ja, daß nicht der Grund, sondern allein der Große Geist die Mittel zum Leben gibt. Daher ist der Boden, den wir bewohnen, ja groß genug, um zehn und noch mehrere solche Familien, wie wir sie haben, vollkommen zu ernähren.«

44] Wenn dann gewöhnlich der Neuangekommene von seinem Vorhaben absteht, so gibt das wieder ein großes Freudenfest, und der alte Bewohner bietet da alles mögliche auf, um seinen neu angekommenen Bruder für alle Zeiten an sein Bruderherz zu fesseln.

45] Bis hierher für heute, nächstens wollen wir die Verfassungen unserer Gebirgsbewohner noch weiter verfolgen.

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