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Kapitelinhalt 18. Kapitel: Die kleinen Flügeltiere. Die Saturnfliege. Das Fliegende Stern. Der Riesenschmetterling Com und die Verwendung seines Federschmucks.

Originaltext 1. Auflage 1855 durch Project True-blue Jakob Lorber

Text, Verseinteilung und Überschriften nach 4. Auflage 1969 Lorber-Verlag

01] Wenn ihr auf eurer Erde euch ein wenig umsehet, so werdet ihr nebst den vielen Gattungen der Vögel noch eine bei weitem größere Wesen- und Gattungsanzahl jener kleinen bevögelten Thierchen finden, welche euch sammt und sämmtlich unter dem allgemeinen Namen der fliegenden Insekten bekannt sind. Solcher Wesen giebt es auch im Saturnus in den verschiedensten Gattungen und Arten in übergroßer Menge; unter denen ebenso gut wie auf der Erde die Fliege eine Hauptrolle spielt. Dies ist auch das einzige Thierchen im Saturnus, welches der Fliege auf der Erde vollkommen gleich ist in Allem; nur hie und da an den Seen und Flüssen hält sich eine größere Gattung oft reichlich auf. Diese Fliege ist am Tage von bläulicht weißer Farbe; nach dem Untergange der Sonne, wo sie gewöhnlich am thätigsten wird, leuchtet sie wie ein heller Stern, ungefähr auf diese Weise, nur viel stärker, als bei euch die sogenannte Sumpfastel, oder das Sonnenwendekäferchen, oder wie in Amerika und auch in anderen südlichen Tropenländern der sogenannte Laternträger. Unsere Saturnusfliege würde aber dennoch diese alle an der Helle ihres Lichtes übertreffen und zwar darum, weil ihr Licht vollkommen weiß ist, und sie auch größer ist, als jedes fliegende Insekt auf der Erde. Die Saturnusbewohner ergötzen sich gar oft zur Nachtzeit an dem munteren Fluge dieser Thiere, wenn sie so zu Tausenden die Saturnusluft kreuz und quer durchzucken.

02] Das wäre alsdann ein bemerkenswerthes Thierchen, welches zu den Luftbewohnern gezählt werden kann. Eine andere Gattung Insekten, welche hier, im Saturnus nehmlich, und auf keinem anderen Planeten wieder vorkommen, ist der sogenannte fliegende Stern. Dieses Thierchen hat seinen besonderen Lebensthätigkeits-Spielraum auch nur zur Nachtzeit; seine Wohnung unter der Tageszeit ist der euch schon bekannte Pyramidenbaum, es bildet daher zur Nachtzeit, und zwar schon bald nach dem Untergange der Sonne, für die Saturnusbewohner ein erhebendes Schauspiel, wenn in der Abenddämmerung Tausende solcher leuchtender Sterne entfliegen.

03] Warum wird denn dieses Thier ein fliegender Stern genannt? Dieser Name wird ihm dort darum beigelegt, weil er auf jeder Seite seines länglichrunden Körpers drei pyramidalförmig zugespitzte ziemlich leuchtende Flügel besitzt, welche bei ihrer Ausbreitung diesem Thierchen die Gestalt eines sechsstrahligen Sternes geben. Wenn das Thierchen vollkommen ausgewachsen ist, so hat es bei einer Spanne im Durchmesser, und da seine Flügel im Fluge besonders stark leuchten und sich dieses Thierchen im Fluge nicht gar zu weit von seiner Wohnung begiebt, so bekommen diese riesigen Bäume nicht selten für den Saturnusbewohner ein sehr erhebendes Aussehen, da sie die Nacht hindurch von vielen Tausenden solcher Sterne nach allen Richtungen umschwirrt werden.

04] Nebst diesem leuchtenden Inseckte giebt es auch eine Menge, die ebenfalls in den verschiedensten Farben zur Nachtzeit leuchten; aber ihr Licht ist nicht so stark, und die Thierchen sind bei weitem kleiner, so werden sie von den Saturnusbewohnern auch gar wenig beachtet, und darum auch um so weniger, da es mehrere große Vögelgattungen giebt, deren Gefieder bei der Nacht ein sehr helles Licht von sich wirft, besonders, wenn sie fliegen.

05] Da demnach im Reiche der Insekten nicht so viel mehr Erhebliches zu finden ist, so wollen wir sogleich einen Uebergang zu dem Reiche der Vögel machen, und auf dieser Uebergangsbrücke wollen wir denn noch einigen Schmetterlingen die Betrachtung zuwenden;

06] und wie viele schon auf der Erde auf ihren Flügeln die schönsten Farben und Zeichnungen tragen, also ist es in diesem Planeten noch um so mehr der Fall. Ein Schmetterling, unter dem Namen Com alldort bekannt, ist der größte und prachtvollste aller Schmetterlinge dieses Weltkörpers; wenn er seine Flügel ausgespannt hat, so dürfte er auf der Erde so ziemlich ein Vierteljoch Grundes bedecken. Sein Leib ist nicht selten bei 20 Klafter lang, und hat nahe eine Klafter im Durchmesser; seine Füße sind stärker als auf der Erde die eines Elephanten, und hat ein jeder Fuß sechs Glieder, und ist also eingerichtet, daß er im Falle der Noth bedeutend gerade verlängert, und also auch verkürzet werden kann. Seine Fühlhörner sehen gerade so aus, als ständen an seinem Kopfe zwei hohe Pappelbäume; nur sind die Zweige links und rechts linealförmig regelmäßig eingetheilt; ungefähr also, wie die Nadeln an einem Tannenzweige. Sein Saugrüssel ist länger und stärker, denn der eines Elephanten auf der Erde, und also sieht dieser Schmetterling seinem Körper nach einem äußerst robusten Thiere ähnlich, was er aber dessenungeachtet nicht im Geringsten ist; aus welchem Grunde dieses Thier auch außerordentlich menschenscheu ist, und es gehört sehr viel dazu, um irgendwo einen zu fangen. Diese Schwierigkeit wird durch seinen schnellen Flug noch um's Bedeutende vermehrt;

07] Junge Mädchen sind dort zumeist am geschicktesten, dieses Thier zu fangen, und zwar aus dem Grunde, weil sie sich leichter in der freien Luft erhalten können, als das männliche Geschlecht. Zu dem Behufe bedienen sich solche Mädchen nicht selten eines künstlichen Flügelpaares, und fliegen unserem Schmetterlinge oft mit großer Hast nach. Wenn sie ihn denn in der Luft fangen, so gilt das für ein förmliches Jubelfest unter ihnen; denn Alles von diesem Schmetterlinge wird zur Ausschmückung der Kinder dort verwendet, und fast in keinem Planeten, wie in diesem, hält das weibliche Geschlecht, besonders in den jungen Jahren, so viel auf ein zierliches Gewand. Damit ihr aber sehet, warum dieser Schmetterling einen so großen Anwerth hat, so wird es wohl nöthig sein, seine Pracht auch ein wenig zu zeigen. Es wird aber zugleich auch ziemlich schwer halten, euch von der nahe übersinnlichen Schönheit dieses Thieres einen gültigen Begriff zu machen. Seine Flügel sind vollkommen viereckig, und haben nur beiderseits an den Enden der Flügel gegen den Kopf zugewendet eine auslaufende Spitze, die ungefähr anderthalb Klafter lang ist und eine ziemliche Aehnlichkeit hat mit einem sehr breiten Schwerte. Was haben denn die Flügel für eine Farbe, und wie sind sie gezeichnet?

08] Die Farbe des oberen Theiles der Flügel sieht also aus, als wäre die Fläche von polirtem hochrosenfarbenem Golde; auf dieser Goldfläche hängen oder stecken vielmehr eine große Menge der allerschönsten Federn, alle möglichen Farben in sich enthaltend. Diese Farben spielen in polirt metallischem Glanze und verändern die Farbe bei der geringsten Wendung so, daß man auf einem Punkte bei den verschiedenen Wendungen alle erdenklichen Farben zu Gesichte bekommen kann. Diese Federn sind in solcher Ordnung auf der Oberfläche des Flügels angebracht, daß durch diese Ordnung die schönsten Zeichnungen und Formen herauskommen, welche Zeichnungen und Formen aber nicht also beständig sind, wie auf den Flügeln eurer Schmetterlinge; sondern diese Ordnung ist also dargestellt, daß bei den verschiedenen Wendungen, durch welche die Farben verändert werden, auch allzeit ganz andere wunderbare Formen zum Vorscheine kommen. Die Ränder der Flügel sind ungefähr mit solchen Federn geziert, wie sie bei euch die Pfauen in ihrem Schweife haben; nur sind sie größer und viel lebhafter glänzend in ihrer Farbenpracht. Die untere Fläche aber ist ähnlich einer polirten Goldfläche, so mit einer feinen grünen Farbe überzogen werden möchte. Die Füße dieses Thieres sind ebenfalls mit den herrlichsten Federn bekleidet; also auch der ganze andere Leib. Die Fühlhörner sind aber noch das Allerpretiöseste bei diesem Thiere; der Hauptstamm ist äußerst leicht, und vollkommen also aussehend, als ein durchsichtiges Gold, wenn ihr euch solches vorstellen könnet, und spielt ebenfalls bei jeder Wendung die verschiedensten Farben, ungefähr also, als wäre er eine geschliffene Diamantstange, in welcher zu beiden Seiten solche Federn angebracht, mit denen die Ränder der Flügel geziert sind. Der Saugrüssel ist von blendend weißer Farbe, und ist sparsam unterwunden mit Bändern, die einen Regenbogen an Farbenpracht übertreffen.

09] Seine Augen sind zwar beim Leben des Thieres das Allerwunderbarste. - Diese möchtet ihr eben vor lauter Spiegelglanze so wenig anzuschauen im Stande sein, als nahe die Sonne bei ihrem Aufgange oder Untergange. Wenn aber das Thier getödtet ist, so vergeht diese Augenpracht; daher werden dessen Augen auch nicht eben in großem Werthe gehalten, dessen ungeachtet aber sorgfältig ausgelöset, und von ihrer Feuchtigkeit entleeret, bei welcher Gelegenheit durch die geschickte Manipulation dann die Weiber eine Art Hausbeutel oder Taschen machen, welche wegen ihrer ziemlichen Durchsichtigkeit und ihrer Dauerhaftigkeit bei den eleganten Weibern dieses Planeten ungefähr die Stelle der sogenannten Ridicüles eurer Weiber vertreten. Weggeworfen wird von diesem Thiere nichts, als allein der nackte innere Leib; alles andere wird zum Schmucke der außerordentlichsten Art verwendet.

10] Warum hat denn aber dieser Schmuck einen so außerordentlichen Werth? Das hat drei Ursachen; die erste ist, weil dieses Thier selten und bei seiner Seltenheit äußerst schwer zu bekommen ist; zweitens weil alle diese Farben sehr dauerhaft sind, ja die Saturnusweiber halten sie für unzerstörbar; und für's Dritte, weil eben diese Federn von der größten Leichtigkeit und fortwährend gleichmäßig haltender Pracht sind.

11] es giebt hier auch eine Vogelgattung, dessen Federn diesen Schmetterlingsfedern ähnlich sind, und werden nicht selten von so manchen Saturnusspekulanten als echte Waare zum Verkaufe ausgeboten; allein da giebt es denn ganz wohlconditionirte Schmuckfedernkenner, welche da die echten von den falschen ungefähr also unterscheiden, wie bei euch die Juweliere falsche Edelsteine von den echten. Wehe aber dort einem solchen Schmuggler, wenn er in die Hände solcher mit falschen Federn betrogener Weiber geräth; denn da wird er mit eben diesen falschen Federn, welche sie zuvor an den sehr dichten Kielen abspitzen, also kreuz und quer zerkratzt, daß ihm für die Zukunft für's Erste alle Lust vergeht, mit falscher Waare irgend Jemand wieder zu hintergehen, und für's Zweite kauft einem also zugerichteten Handelsmanne auch Niemand mehr etwas ab.

12] Sehet, das ist alsdann unser berühmter Schmetterling, und wie er gefangen und benutzet wird. es ist fast unnöthig, noch dessen zu erwähnen, wie sich die Saturnusweiber dieses Schmuckes bedienen; aber im Vorübergehen kann es ja wohl bemerkt werden, daß sich manche sehr Eitle fast den ganzen Leib mit diesen Schmetterlingsflügeln also überziehen, daß man sie am Ende schon nahe für solche Schmetterlinge selbst halten könnte. Das ist genug, denn ein Mehreres ist nicht nöthig von dem zu erfahren, was Mir im Saturnus so wenig gefällt, als auf der Erde.

13] Daß es aber nach diesem Schmetterlinge eine fast zahllose Menge dieses Thieres in allen Farben, Arten und Gattungen und Größen giebt, könnet ihr daraus schon sehr leicht entnehmen, wenn ihr euch nur dieses Planeten Mannigfaltigkeit in allem Dem, was auf ihm ist, vor die Augen stellet.

01] Wenn ihr euch auf eurer Erde ein wenig umsehet, werdet ihr neben den vielen Gattungen der Vögel noch eine bei weitem größere Wesen- und Gattungszahl jener kleinen beflügelten Tierchen finden, welche euch unter dem allgemeinen Namen der fliegenden Insekten bekannt sind. Solcher Wesen gibt es auch auf dem Saturn die verschiedensten Gattungen und Arten in großer Menge. Unter ihnen spielt, ebensogut wie auf der Erde, die Fliege eine Hauptrolle. Diese ist auch das einzige Tierchen auf dem Saturn, welches der Fliege auf der Erde in allem vollkommen gleich ist. Nur an den Seen und Flüssen hält sich hie und da eine größere Gattung oft zahlreich auf. - Diese Fliege ist am Tage von bläulichweißer Farbe. Nach dem Untergang der Sonne, da die Fliege gewöhnlich am tätigsten wird, leuchtet sie wie ein heller Stern, ungefähr auf die Weise (nur viel stärker) wie bei euch die sogenannte Sumpfastel oder das Sonnwendkäferchen oder wie in Amerika und auch in anderen südlichen Tropenländern der sogenannte Laternenträger. Unsere Saturnfliege würde aber dennoch diese alle an Helle ihres Lichtes übertreffen, weil ihr Licht vollkommen weiß ist und sie auch größer ist als jedes fliegende Insekt auf der Erde. Die Saturnbewohner ergötzen sich gar oft zur Nachtzeit an dem munteren Fluge dieser Tierchen, wenn sie so zu Tausenden die Luft kreuz und quer durchzucken.

02] Das wäre ein bemerkenswertes Tierchen, welches zu den Luftbewohnern gezählt werden kann. - Eine andere Insektenart, welche hier und auf keinem andern Planeten wieder vorkommt, ist der sogenannte Fliegende Stern. Dieses Tierchen hat seine besondere Lebenstätigkeit auch nur zur Nachtzeit. Seine Wohnung während der Tageszeit ist der euch schon bekannte Pyramidenbaum. Zur Nachtzeit, und zwar schon bald nach dem Untergang der Sonne, bildet es für die Saturnbewohner ein erhebendes Schauspiel, wenn in der Abenddämmerung Tausende solcher leuchtender Sterne dem Pyramidenbaum entfliegen.


03] Warum wird denn dieses Tier ein »Fliegender Stern« genannt? - Dieser Name wird ihm darum beigelegt, weil es auf jeder Seite seines länglichrunden Körpers drei pyramidenförmig zugespitzte, ziemlich stark leuchtende Flügel besitzt, welche bei ihrer Ausbreitung diesem Tierchen die Gestalt eines sechsstrahligen Sternes geben. Wenn das Tierchen vollkommen ausgewachsen ist, hat es etwa eine Spanne im Durchmesser, und seine Flügel leuchten im Fluge besonders stark. Da dieses Tierchen sich dabei nicht gar zu weit von seiner Wohnung begibt, bekommen diese riesigen Bäume für den Saturnbewahner nicht selten ein sehr strahlendes Aussehen, wenn sie die Nacht hindurch von vielen Tausenden solcher Sterne nach allen Richtungen umschwirrt werden.


04] Neben diesem leuchtenden Insekt gibt es aber noch eine Menge, die ebenfalls in den verschiedensten Farben zur Nachtzeit leuchten; aber ihr Licht ist nicht so stark, und die Tierchen sind bei weitem kleiner. So werden sie von den Saturnbewohnern auch gar wenig beachtet, da es mehrere große Vogelgruppen gibt, deren Gefieder bei Nacht ein sehr helles Licht von sich wirft, besonders wenn sie fliegen.


05] Da demnach im Reich der Insekten nicht so viel Erhebliches mehr zu finden ist, wollen wir sogleich einen Übergang zu dem Reich der Vögel machen. Und auf dieser Übergangsbrücke wollen wir noch einigen Schmetterlingen unsere Aufmerksamkeit widmen.

06] Wie die Schmetterlinge auf der Erde auf ihren Flügeln die schönsten Farben und Zeichnungen tragen, so ist es auf diesem Planeten noch um so mehr der Fall. - Ein Schmetterling, unter dem Namen Com bekannt, ist der größte und prachtvollste aller Schmetterlinge dieses Weltkörpers. Wenn er seine Flügel ausgespannt hat, dürfte er auf der Erde so ziemlich ein Vierteljoch Grundes bedecken. Sein Leib ist nicht selten bei zwanzig Klafter lang und hat nahe eine Klafter im Durchmesser. Seine Füße sind stärker als auf der Erde die eines Elefanten. Ein jeder Fuß hat sechs Glieder und ist so eingerichtet, daß er im Falle der Not bedeutend verlängert werden kann. Seine Fühlhörner sehen fast aus, als stünden an seinem Kopf zwei hohe Pappelbäume; nur sind die Zweige links und rechts ganz gerade regelmäßig eingeteilt, ungefähr so wie die Nadeln an einem Tannenzweig. Sein Saugrüssel ist länger und stärker als der eines Elefanten auf der Erde. Und so sieht dieser Schmetterling seinem Körper nach einem äußerst robusten Tiere ähnlich, was er aber dessenungeachtet nicht im geringsten ist. Dieses Tier ist außerordentlich menschenscheu und es gehört sehr viel dazu, irgendwo eines zu fangen. Diese Schwierigkeit wird durch seinen schnellen Flug noch ums Bedeutende vermehrt.


07] Junge Mädchen sind dort zumeist am geschicktesten, dieses Tier zu fangen, weil sie sich leichter in der freien Luft erhalten können als das männliche Geschlecht. Zu diesem Zweck bedienen sich solche Mädchen nicht selten eines künstlichen Flügelpaares und fliegen unserem Schmetterling oft mit großer Eile nach. Wenn sie ihn dann in der Luft fangen, gilt das als ein förmliches Jubelfest unter ihnen; denn alles von diesem Schmetterling wird zur Ausschmückung ihrer Kleider verwendet, weil fast auf keinem Planeten das weibliche Geschlecht, besonders in den jungen Jahren, so viel auf ein zierliches Gewand hält wie auf diesem. Damit ihr aber sehet, warum dieser Schmetterling einen so großen Wert hat, wird es wohl nötig sein, seine Pracht euch ein wenig zu zeigen. Es wird aber zugleich auch ziemlich schwer halten, euch von der beinahe übersinnlichen Schönheit dieses Falters einen richtigen Begriff zu machen. Seine Flügel sind vollkommen viereckig und haben nur beiderseits an den Enden gegen den Kopf zu eine auslaufende Spitze, die ungefähr anderthalb Klafter lang ist und eine ziemliche Ähnlichkeit hat mit einem sehr breiten Schwert.


08] Die Farbe des oberen Teiles der Flügel sieht aus als wäre die Fläche von poliertem, hochrosenfarbenem Gold. Auf dieser Goldfläche hängen oder stecken vielmehr eine große Menge der allerschönsten Federn, alle möglichen Farben in sich enthaltend. Diese Farben spielen in poliert-metallischem Glanz und verändern sich bei der geringsten Wendung so, daß man auf einem Punkt bei den verschiedenen Wendungen alle erdenklichen Farben zu Gesicht bekommen kann. Diese Federn sind in solcher Ordnung auf der Oberfläche des Flügels angebracht, daß dadurch die schönsten Zeichnungen und Formen herauskommen. Die Zeichnungen und Formen sind aber nicht so beständig wie auf den Flügeln eurer Schmetterlinge; sondern die Anordnung ist so, daß bei den verschiedenen Wendungen, durch welche die Farben verändert werden, auch allzeit ganz andere, wunderbare Formen zum Vorschein kommen. Die Ränder der Flügel sind ungefähr mit solchen Federn geziert, wie sie bei euch die Pfauen an ihrem Schweif haben; nur sind sie größer und viel lebhafter glänzend in ihrer Farbenpracht. - Die untere Fläche der Flügel ist ähnlich einer polierten Goldfläche, so sie mit einer feinen, grünen Farbe überzogen werden möchte. - Die Füße dieses Falters sind ebenfalls mit den herrlichsten Federn bekleidet; wie auch der ganze übrige Leib. Die Fühlhörner sind aber doch das Allerprächtigste bei diesem Tierchen. Ihr Hauptstamm ist äußerst leicht und vollkommen aussehend wie durchsichtiges Gold. Er spielt, wenn ihr euch solches vorstellen könnet, ebenfalls bei jeder Wendung in den verschiedensten Farben, ungefähr so, als wäre er eine geschliffene Diamantstange, an welcher zu beiden Seiten ebensolche Federn angebracht wären, mit denen die Ränder der Flügel geziert sind. Der Saugrüssel ist von blendend weißer Farbe und sparsam unterwunden mit Bändern, die einen Regenbogen an Farbenpracht übertreffen.

09] Das allerwunderbarste aber sind die Augen des Tierchens. Diese möchtet ihr vor lauter Spiegelglanz so wenig anzuschauen imstande sein wie die Sonne bei ihrem Aufgang oder Untergang. Wenn aber der Falter getötet wird, vergeht diese Augenpracht. Daher werden dessen Augen eben nicht in großem Wert gehalten, dessenungeachtet aber sorgfältig ausgelöst und von ihrer Feuchtigkeit entleert. Durch geschickte Verwendung machen dann die Frauen daraus eine Art Hausbeutel oder Taschen, welche wegen ihrer ziemlichen Durchsichtigkeit und ihrer Dauerhaftigkeit bei den eleganten Frauen dieses Planeten ungefähr die Stelle der sogenannten »Ridiküls« vertreten. Weggeworfen wird von diesem Falter nichts als allein der nackte innere Leib; alles andere wird zum Schmuck der außerordentlichsten Art verwendet.


10] Warum hat denn aber dieser Schmuck einen so außerordentlichen Wert? - Das hat drei Ursachen. Die erste ist, weil dieses schöne Lebewesen bei seiner Seltenheit äußerst schwer zu bekommen ist; zweitens, weil alle diese Federn sehr dauerhaft sind, ja die Saturnfrauen halten sie für unzerstörbar; und fürs dritte, weil eben diese Federn von der größten Leichtigkeit und von fortwährend gleichmäßig anhaltender Pracht sind.

11] Es gibt hier auch eine Vogelgruppe, deren Federn diesen Schmetterlingsfedern ähnlich sind. Diese Vogelfedern werden nicht selten von so manchen Saturnspekulanten als echte Ware zum Verkauf angeboten. Allein da gibt es dann ganz wohlausgebildete Schmuckfedernkenner, welche die echten von den falschen ungefähr so unterscheiden, wie bei euch die Juweliere falsche Edelsteine von den echten. Wehe aber dort einem jener Betrüger, wenn er in die Hände solcher mit falschen Federn betrogener Frauen gerät. Da wird er mit eben diesen falschen Federn, welche sie zuvor an den sehr dicken Kielen abspitzen, so kreuz und quer zerkratzt, daß ihm für die Zukunft alle Lust vergeht, mit falscher Ware irgend jemand wieder zu hintergehen; auch kauft einem also zugerichteten Handelsmann niemand mehr etwas ab.

12] Sehet, das ist nun unser berühmter Schmetterling; und ihr hörtet, wie er gefangen und benutzt wird. Es ist fast unnötig, noch zu erwähnen, wie sich die Saturnfrauen dieses Schmuckes bedienen. Aber im Vorübergehen kann ja wohl bemerkt werden, daß sich manche sehr eitle fast den ganzen Leib mit diesen Schmetterlingsflügeln so überziehen, daß man sie am Ende schon nahe für solche Schmetterlinge selbst halten könnte. Das ist genug, denn ein mehreres ist nicht nötig von dem zu erfahren, was Mir im Saturn so wenig gefällt wie auf der Erde.


13] Daß es aber außer diesem Schmetterling noch eine fast zahllose Menge solcher Tiere in allen Farben, Arten, Gattungen und Größen gibt, könnt ihr daraus schon sehr leicht entnehmen, wenn ihr euch dieses Planeten Mannigfaltigkeit in all dem, was auf ihm ist, vor Augen stellt.

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